104 Tage Sommer und ein angekündigter Regenguss um 14:22 Uhr

Heute steigt angeblich die Regenwahrscheinlichkeit um 14.22 Uhr von 0 Prozent auf 90 Prozent. Für uns, prognosengläubig wie wir im Zweifelsfall eben sind, heißt das, dass wir die Arbeitseinheiten heute in den Nachmittag legen und schon früh, also gegen 10 Uhr, losradeln. Vorbei an der erneut anders eingekleideten Statue im Swan River, über einen wunderschönen Radweg nach South Perth (man beachte die schönen Häuser mit Wasserblick und die riesigen Kakadukolonien am Wegrand) und auf die Heirisson Island, wo Western Grey Kangaroos leben. Eigentlich muss ich ja sagen "leben sollen". Denn nachdem wir erwartungsfroh unsere Räder durch das Doppelzauntor und den tiefen Sand in der Zufahrtsstraße geschoben haben, sehen wir außer Riesenameisen und Riesenstechmücken kein einziges Lebewesen und insbesondere kein einziges Känguru – keines der großen Beuteltiere ist bereit, für uns dort vor der Skyline zu posieren, wo sich lediglich ein Kormoran blicken lässt. Die ganze Insel gehen wir ab und geben erst auf, als es kurz den Anschein hat, als ob sich die Regenwahrscheinlichkeit doch schon früher erhöhen würde.

Dennoch fahren wir noch weiter bis Burswood (tolle Häuser!) und dann zurück in den Stadtteil "Perth", also eigentlich City of Perth, wo wir an filmkulissenartigen Häuserzeilen vorbeikommen. Durch den dichten Stadtverkehr (oh Gott, der viele Lärm!) und ein japanisches Fastfood-Lokal (oh Gott, die vielen Menschen) geht es dann wieder Richtung Swan River – zu unserer Lieblingsstrecke. Zumindest dann Liebling, wenn der Gegenwind nicht alles daran setzt, jegliches Fortkommen zu verhindern, was er heute aber recht erfolgreich versucht. Meine Beine wollen nicht mehr so recht, und der Kopf entwickelt parallel dazu leider das unsägliche Bedürfnis, den drohenden Regennachmittag mit einem selbst gebackenen Kuchen zu zelebrieren. Erst einmal habe ich in den ganzen vier Monaten die Gelegenheit gehabt zu backen – in Brisbane während der zyklonbedingten Regenfälle. Leider deshalb, weil ich nicht in weiser Voraussicht bereits alle Zutaten für den Kuchen, der mir vorschwebt, eingekauft habe und der zugehörige Supermarkt eine zusätzliche Ausfahrt von rund 6 km erfordert, die meine Beine aber nicht mehr gewillt sind zu fahren. Die zwei Klötze wissen nämlich schon: ohne Steigungen geht in Perth gar nichts ab, schon gar nicht die Fahrt zur Rokeby Road!

Als wir zuhause ankommen, falle ich mal ermattet in den Gartenstuhl, doch bald siegt die Backlust und das junkie-ähnliche Bedürfnis nach Coca Cola. Während Max es sich also schon gemütlich macht, ziehe ich noch einmal schnell vor dem immer näher kommenden schwarzen Himmel los, um gemahlene Mandeln, Chocolate Chips und 2 l Coke zu erlegen und im Rucksack gemeinsam mit ein paar Zutaten für das Abendessen gegen die bedrohlich über mir hängenden Regenwolken nach Hause zu chauffieren.

Und als sich dann mit etwas Verspätung um 16:24 der Regen einstellt, duftet es bei uns zuhause bereits herrlich. Die glutenfreien Gut-gegen-Regenwetter-Orangenmuffins mit Chocolate Chips werden ganz wunderbar und beweisen, dass frau mit etwas Erfahrung und Wagemut auch ohne Mixer und Waage köstliches Backwerk hervorbringen kann. Schade, dass Ihr alle nicht da seid – diese Köstlichkeiten hätte ich zu gerne mit Euch geteilt! Bleibt nur zu hoffen, dass ich damit auch "Gut-gegen-Muskelkater-Muffins" hervorgebracht habe – das wäre nach den heutigen 28 km Schwerstarbeit sehr hilfreich….

 
 
Gut gegen Regenwetter: Flourless Orange Muffins with a Hint of Chocolate

 


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