99 Termitenhügel und ein neues Zuhause

Aktuelle Wetterlage: Morgens in Broome gewittrige schwül-heiße Regenfälle, die uns Zeit geben, das neue Fahrzeug in der Apollo-Garage umzuräumen, während es draußen tropisch prasselt. Erst am Nachmittag reißt es so eindeutig auf, dass wir nicht mehr rätseln müssen, ob die blaugrauen Wolkenformationen  nicht eventuell doch ein Schneesturm nach Wiener Machart sein könnten.

Aktuelle Straßenlage: Rote Banketts an grauer Straße, soweit das Auge reicht, unterbrochen anfangs von massiven Straßenüberflutungen, die beweisen, dass die Floodway-Warnschilder, über die wir uns immer wundern, doch ihre Berechtigung haben können, danach riesentermitenhügelgesäumter Highway ohne Ende, gelegentlich ein Känguru, ein Vogelschwarm, eine Kuh, ein Roadtrain. Schon wieder Glück im Unglück: Das Auto, das wir heute übernehmen, ist erst am Samstag zurückgekommen und ansonsten hätte es hier nur die Allradkisten mit Pop Top gegeben, wo man beim Schlafen wie im Pizzaofen ohne Kopffreiheit liegt und alles sehr unbequem ist, kaum Stauraum, kaum Luft, kaum Fenster. Manchmal ist es eben Glück, auch wenn es nicht in rosa blinkender Leuchtschrift außen drauf steht.

Aktuelle Stimmungslage: "Liebling, die haben unser Auto geschrumpft!", würde es ganz gut treffen. Das neue Auto ist jenes Modell, das wir auch an der Ostküste Australiens und in Neuseeland gefahren sind, das sich aber nach den Wochen im größeren Fahrzeug bereits vor dem Abend- und Schlafprogramm anfühlt wie ein Waschbecken, wenn man schmutzige Füße hat und eine Badewanne gewohnt ist. Der Buschauffeur ist demnach wieder ein tempomatloser aber kilometerfressender PKW-Fahrer. Eigentlich wollten wir heute "nur" 360 km bis zum Eighty Mile Beach mit nettem Campingplatz fahren, doch nachdem ich den für seine Muschelpracht berühmten Strand einmal kurz abgegrast habe, meint der Meister, dass er doch noch bis Port Hedland fahren möchte, weitere 2,5 Stunden. Er will damit die morgige lange Etappe in den Karijini National Park verkürzen, aber insgeheim befürchtet er wohl, dass ich dann doch alle 80 Meilen, ganze 130 km, zusammenräumen würde – womöglich auch gründlich. Wie viele blinde Passagiere ich da in aller Eile an Bord geholt habe, muss er heute Abend dann durch einen vorsichtigen Blick in mein Strandtütchen (eine niedliche Untertreibung) feststellen. Bei einer solchen Eile kann ich nicht auch noch Einwohnertests vor dem Einsacken durchführen, das wird er hoffentlich verstehen.

Aktuelle Sachlage: Eng, sehr eng. Ich hatte schon vergessen, wie wir uns auf dem wenigen Platz mit allem Pipapo eingerichtet hatten und trotzdem etwas fanden. Obwohl ich ganz generell feststelle, dass Sätze auf solchen Reisen besonders häufig mit den Worten "wo" und "weißt du wo" beginnen. Meine zugehörigen Fragen des Tages lauten: Wo hatte ich zuvor meine Beine beim Fahren untergebracht, wo die zweite Wasserflasche und überhaupt, wo ein Ladegerät, meine Prospekte, meine Muße und meine Muse?

Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir in der Industriestadt Port Hedland an. Es stürmt heiße Winde, dass man kaum Luft bekommt. Aber vorerst steht wieder einmal die Befriedigung von Primärbedürfnissen an: Entstauben unter der Dusche, Nahrungsaufnahme im Umfeld des Barbecues. Und morgen geht es dann in den Karinjini NP und danach in die Gegend um Exmouth, weshalb wir voraussichtlich 5 Tage keinen Internet-Zugang haben werden – nur so, falls sich jemand Sorgen um die neue Apollo-Mission machen sollte…

Der Vollständigkeit halber noch Max' Schüttelreim des Tages

Bei unserm letzten Tankstopp
war nur der Gestank top.

 


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