99 Strände und eine doppelte Rettung

Nach einem morgendichen Walk zum Wave Rock gehen wir on the road in Richtung Esperance. 380 km stehen an, und sie gestalten sich erstaunlich flott und mit den üblichen Highlights in Form von einzelnen Verkehrszeichen alle 40 km.

In Esperance wollen wir endlich groß bunkern, bevor wir uns in den Cape Le Grand National Park begeben, der zwar mit Duschen und WCs, nicht aber mit Trinkwasser aufwartet.

Esperance sollte ein ausreichend großer Ort sein, um einen 10 l-Wasserkanister und Lebensmittel sowie den Nationalparkpass für Westaustralien zu erhalten. Sollte. Wir sind zwar bereits um 12:12 Uhr dort, doch die Touristeninfo hat vor 12 Minuten geshlossen. Leider war sie das einzige Geschäft, das an diesem Sonntag überhaupt geöffnet gehabt hat. Alle Supermärkte sind ebenso zu wie die Bottle Shops, die normalerweise auch alkoholfreie Getränke verkaufen. Hier herrscht eben noch echtes Kleinstadtleben, wo samstags um 12 alles eingepackt und aufgerollt wird. Was tun? Wir waren davon ausgegangen, die wichtigsten Lektionen bereits gestern durchgenommen zu haben.

Zum Überlegen fahren wir nach einem Stopp im Ocean Blues Cafe den Great Ocean Drive mit traumhaften Ausblicken auf wunderbar türkisblaue Buchten mit feinstem weißen Sand. Nicht umsonst heißt es, dass Australiens schönste Strände in dieser eher unbekannten Südküstenregion Westaustraliens zu finden sind. Am Twilight Beach können wir der Versuchung trotz kühlem Wind nicht mehr widerstehen und wir legen eine Strandpause ein. Der Sand ist feiner als das feinste Mehl und weißer auch noch!

Der Abschluss dieses scenic drive führt zu einem der zahlreichen Salzseen in dieser Gegend, dem so genannten Pink Lake. Rosa ist er zumindest im Nachmittagslicht nicht, oder die für die Färbung zuständigen Algen haben gerade eine kleine Sinnkrise. Doch zu unser Überraschung hat der Pink Lake noch etwas viel Besseres zu bieten, einen 7 Tage geöffneten IGA Supermarkt. Saved by Pink Lage Super IGA! Dabei ertappe ich mich übrigens dabei, dass ich erstmals keinen Riesenbogen um die Hundefuttergang im Supermarkt schlage, sondern das Angebot durchaus interessiert sondiere, das aber nur nebenbei.

Gegen 15 Uhr fahren wir endlich in Richtung Cape Le Grand NP. Auf der 60 km langen Zufahrtsstraße sehen wir mehrere Schilder mit dem Hinweis, dass der zugehörige NP-Campground voll ist. Doch wir wollen es nicht glauben, schließlich ist Sonntag Nachmittag und alle sollten ihr Wochenende längst beendet haben. In Esperance übernachten wollen wir auch nicht. Im NP gibt es angeblich viele Kängurus, und die sieht man am besten abends und morgens. 

Glücklicherweise sind wir einer Meinung und beschließen, es einfach zu probieren, auch wenn die Gefahr besteht, dass wir die ganzen 60 km wieder zurückfahren müssen, was nach der ohnehin schon langen Fahrt sehr öd wäre. Die Alternativen? Eventuell Bushcamping, doch es gibt auf dieser Straße kaum Zufahrtsmöglichkeiten, wo man sicher über Nacht stehen bleiben könnte, und ob das erlaubt wäre, ist eine andere Geschichte. 

Als am Parkeingang dann auch die Kuverts für die self-registration fehlen, sind wir doch schwer verunsichert. So schwer, dass ich nicht einmal die Kängurus am Straßenrand mehr fotografiere. Wir fahren also in den Park  und hoffen, dass die Schilder noch vom Samstag übrig sind und uns ein Ranger  in dieser Annahme bestätigen wird.

Als erstes entdecken wir jedoch, WIE traumhaft dieser Park ist. Die blaue Lucky Bay mit ihrem weißen Strand lacht uns sehr an. Weniger anlachen tun uns die dutzenden Wohnmobile, die bereits dicht an dicht auf engstem Raum geparkt sind. Ein übervoller Supermarktparkplatz am Samstag vor Weihnachten ist ähnlich gedrängt, wenn auch weitaus kleiner.

Jetzt sind wir endgültig entmutigt, und in diesen Fällen hilft nur eines: Lass mich machen, sage ich zu Max, sobald ich einen Ranger entdecke. Ich steige aus und packe den ganzen seit langem für einen wirklich wichtigen Anlass aufgesparten Charme aus, der mir so in die Wiege gelegt wurde. Nach einigen Überlegungen und Rücksprache mit dem Camp Host dürfen wir auf dem Zeltplatz am Rand stehen bleiben!!! Was bin ich stolz auf diese Meisterleistung, die umso mehr zählt, als ich von mehreren Kängurus rund um mich ziemlich abgelenkt wurde.

Der Strand ist nur wenige Schritte entfernt, die Vielfalt an Vögeln singen, quietschen und kreischen gegen die Brandung an und hin und wieder lugen irgedwo im Buschwerk Hasenohren heraus. Erst wenn sie loshüpfen, sind sie als roos zu enttarnen. Eines der Kängurus im Busch brummt und legt einen unglaublich weiten und hohen Satz hin, dass ich erstmals richtig Angst vor einem roo bekomme.

Ansonsten wird es die beste Nacht seit langem. Wir sind um 19 Uhr bereits hundemüde und schlafen nach einem Spaziergang am Meer unter dem fast vollen Mond schließlich noch vor 20 Uhr ein – zum Kreischen der Vögel, dem zu lauten Rattern eins Generators und zur wunderbaren Brandung. Life is good – und die Ranger hier sowieso! 

 


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