99 Kängurus und ein Frühstück für frühe Vögel

 
Es gibt Tage, da ist die Welt bereits um 9:48 Uhr mit dem Tag fertig, einfach weil er schon so schön und voller netter Überraschungen war. Der heutige Sonntag ist ein solcher Tag. Zugegeben, wir haben uns das Morgenglück erarbeiten müssen, durch frühes Aufstehen und den Verzicht auf ein Frühstück.
 
Da wir in der Umgebung des Yanchep NP keine Unterkunft mehr bekommen haben, mussten wir ja im Norden von Perth übernachten und haben daher eine etwas längere Anfahrt vor uns. Vor 7 Uhr sind wir schon on the road, wer weiß schon so genau, wann dämmerungsaktive Tiere sich wirklich zeigen, welchen Lebensrhythmus sie haben und wann sie gewillt sind, für ein paar Fotos zu posen? Konkret geht es um die Koalas im Yanchep, um deren bevorzugte Aufenthaltsorte herum ein Boardwalk angelegt wurde.
 
Die Straßen sind noch wie frisch ausgerollt, als wir in den Norden fahren und damit mit einer Woche Verspätung (danke, Rusty, dass wir durch dich den Südwesten entdecken durften!) unsere eigentliche Reisestrecke entlang der Westküste Richtung Broome beginnen.
 
Als wir als Erste auf den Riesenparkplatz des Nationalparks rollen, schlägt mein Herz gleich höher. Ein Parkplatz wird vehement von einem Känguru verteidigt, eines hüpft eilig zum Briefkasten (ja, hier gibt es an jeder Ecke rote Briefkästen, sogar im Nationalpark!) und der Rest der Sippschaft verteilt sich über die morgendlich beleuchteten Wiesen, die noch menschenleer sind. Nur der Himmel kann hier mit einem ähnlichen Bevölkerungsgrad mithalten. Riesenschwärme von Papageien (lorikeets), Rosenkakadus (galahs), schwarzen Papageien (white-tailed black cockatoos) und zahlreichen namenlosen Gattungen kreischen im Morgenlicht um die Wette. Wir sind baff, mit Kängurus hatten wir nicht gerechnet, schon gar nicht in dieser Fülle.
 
Auf dem kurzen Boardwalk entdecken wir einige Koalas, die gerade den Tag beginnen und sich mit ganzem Elan von einem Ast auf einen anderen befördern, um dort weiterzuschlafen. Jetzt ist aber Zeit für ein Frühstückspicknick. Danach schauen wir noch einmal bei den Koalas vorbei und können beobachten, wie sich zwei Streithanseln lautstark um dieselbe Astgabel streiten. Da soll einer sagen, dass frühes Aufstehen keinen Sinn hat!
 
Als wir den Park verlassen, ist von den Kängurus keine Spur mehr – wenn man von den vielen Häufchen im Gras absieht, die Beweis für eine intensive Verdauung sind. Alle die Menschen, die jetzt eintrudeln, haben keine Ahnung, was ihnen da entgangen ist! Wow. So früh schon so viel erlebt, wenn der Tag jetzt zu Ende wäre, würde ich auch zufrieden einschlafen. Aber das schreibe ich wohl nur, weil ich vom frühen Aufstehen sehr müde bin.
 
Zwei Stunden später sind wir in Cervantes, einem kleinen Örtchen nahe des Nambung National Parks mit Sandsteinfelsformationen, die zu Sonnenuntergang besonders spektakulär aussehen. Doch es ist erst Mittag und wir haben davor noch reichlich Zeit, auf dem Campingplatz vor dem Auto zu sitzen und den Schuhen beim Schmelzen zuzusehen, die letzte Schokopastille im Kühlschrank zu suchen (ich) oder ein Schläfchen zu machen (der Buschauffeur). 36 Grad ist sehr heiß, wie wir jetzt wieder wissen, und erinnern ein wenig an Griechenland. Blauer Himmel tut der Seele gut, nur dass es hier wieder einmal keinen Empfang gibt, wurmt den Chauffeur doch ein wenig. Naja, werden wir wohl morgen in Geraldton unter einem Handymast parken und hochladen und posten, ist ja nicht das erste Mal, dass der Empfang nicht zu uns kommt, sondern wir zu ihm kommen müssen.
 
Die angeblich tolle Hangover Bay ist leider nur etwas für Angler, weshalb wir ohne Badestopp schon gegen 4 Uhr bei den Pinnacles eintreffen. Seit meinem letzten Besuch vor 21 Jahren hat man ein riesiges Visitors Center und ebenso riesige Parkplätze hingeknallt, ansonsten ist alles beim Alten geblieben. Nur den einen Felsen, auf dem ich damals ein legendäres Foto mit daran aufgehängter Jeansjacke gemacht habe, kann ich unter den geschätzten Tausenden Felsspitzen nicht mehr ausmachen.
 
Wir fahren zweimal den sandigen Drive und lassen uns schließlich auf unseren Campingstühlen mit der dicken Sonntagszeitungk und Getränken auf einem Plätzchen mit Ausblick (andere gibt es hier eh nicht) nieder und warten dekadent auf die blaue Stunde. Die Zeit vergeht wunderbar langsam, wir können ihr zusehen, wie sich sich zwischen den Felsen herumtreibt, ein bisschen in der Sonne tanzt und zwischendurch mal ein Schläfchen im feinen rötlichen Sand hält.
 
Im allerletzten Sonnenlicht brechen wir schließlich auf und fahren zurück zum Campingplatz. Ein sehr relaxter Tag geht mit dem Sichten von 300 Fotos zu Ende. Waren doch nur ein paar süße Koalas, ein paar Kängurus beim Frühstück und ein paar Sandsteinformationen, die mit ihren Schatten herumgeworfen haben…
P.S. Posted aus Geraldton direkt neben einem heiß ersehnten Vodafone-Handymasten mit Blick aufs Meer…
 
 
 
 
 

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