99 offene Träume und ein fester Vorsatz

Jetzt haben wir also den Salat! Fruchtig, bunt und von Tag zu Tag besser ist er geworden – und hätte noch viel besser werden können. Wieder einmal bin ich mit Sydney nicht fertig geworden, habe noch so viele Dinge, die ich unbedingt noch sehen oder tun, noch einmal sehen oder tun wollte. Gibt es das, nicht im falschen Körper, sondern im falschen Land geboren, genau genommen in der falschen Stadt? Der kleine Haken, dass sie auf der Südhalbkugel liegt, ist eigentlich ziemlich groß. Hätte ich mich nicht einfach in Amstetten verlieben können, in Klosterneuburg oder von mir aus sogar in Hagenbrunn? Musste es gerade eine der teuersten Städte der Welt sein? Eine, die 15.000 km von meiner Heimat entfernt ist? Naja, wer mich kennt, denkt sich jetzt vermutlich: Das ist ja wieder mal typisch für sie! Und recht habt Ihr alle! Klotzen, nicht kleckern war schon immer irgendwie mein unbewusstes Lebensmotto. Ob das für irgendwann doch einen noch längeren Sydney-Aufenthalt vorsieht?

Seit diesem Sydney-Besuch weiß ich jedenfalls, was für mich einer der ultimativen Luxi ist: morgens mit einem Erdnussbutterbrot und einem Glas Milch im Bett zu sitzen, durch die verschlafenen Augen und die salzigen Fensterscheiben aufs Meer von Bondi Beach zu blicken und den Wellen zuzusehen und zuzuhören. Beim Einschlafen ist es nicht viel anders, bloß dass das Sitzen eher ein Liegen ist und der Wellengenuss zum Einschlafen ohne Erdnussbutterbrot und Milch und oft über den Rand eines Buches abgeht. Manchmal frage ich mich – und manchmal auch Max- in diesen Momenten, ob ich jemals wieder ohne Meeresrauschen einschlafen werde können. Das kleine Restchen Vernunft, das dann je nach Uhrzeit noch wach ist, flüstert dann rationale Dinge wie: Aber würdest du denn wirklich immer salzig-schmutzige Fensterscheiben wollen? Aber würde dich denn der dauernd sandige Fußboden nicht stören? Papperlapapp, rauschen die Wellen auf derlei unhaltbare Argumente dagegen. Papperlapapp-papperlapapp-papperlapapp. So gut wie hier habe ich nicht mehr geschlafen, seit ich vor 20 Jahren nach einem Möbelschleppmanöver im Zuge einer Übersiedelung, als ich mit schweren Teilen im fünften Stockwerk angekommen in einen Klappstuhl ohne Lehne gefallen und in der Sekunde eingeschlafen bin.

Den letzten Tag in diesem wunderbaren Apartment, bevor wir morgen den Camper übernehmen und nach Norden fahren, gestalten wir dann spontan ganz wunderbar wie folgt: Busfahrt nach Watsons Bay (weniger wunderbar, weil wie immer mit endlosem Warten auf den Bus verbunden), dann Walk Richtung Nielsens Park, wobei wir im Zuge dessen den uns bislang unbekannten Hermitage Foreshore Walk spazierwandern – immer der Nase nach, immer die Küste entlang, immer irgendwie mit Blick auf die Oper und die Harbour Bridge. Der Himmel putzt sich auch einigermaßen heraus und sogar die Temperatur gibt sich redlich Mühe, uns die vielen kleinen Buchten einladend erscheinen zu lassen. Besonders die idyllische Parsley Bay (bitte, wer benennt eine Bucht nach der Petersilie, oder sollte sie nach einem armen Geschöpf namens Petersilie benannt worden sein?) hat es mir angetan – hierher kehren wir am Rückweg zurück, um noch einmal richtig angenehm im hier relativ menschenleeren und vor allem wellenarmen Pazifik zu schwimmen. Im Nielsens Park mit nettem Café angekommen, beschließen wir, diesen wunderhübschen Walk noch bis zur Rose Bay weiterzugehen. Wären da nicht die omnipräsenten Kniequalen, wäre ich der glücklichste Mensch der Welt, der allerglücklichste! In der Rose Bay kaufen wir uns ein Grillhuhn-Picknick mit interessanter Salatvariation, das wir am Strand genießen – mit Blick auf mein neues Traum-Beach-Cottage, palmengesäumt, aus hellblauem Holz, sehr hell gehalten und natürlich mit Traumblick auf das Meer und die Oper und die Harbour Bridge. Am späten Nachmittag, während die Wäsche noch einmal in die Maschine darf, gehen wir noch ein letztes Mal an den Strand von Bondi und nehmen wehmütig Abschied, sehr wehmütig, aber sehr glücklich über diese großartigen vier Wochen! (Dass seit gestern unser Buch "111 Gründe, Wien zu lieben" bei amazon und thalia mit Cover gelistet ist, darf hier natürlich nicht unerwähnt bleiben.)

Catchyalater, Sydney – wir kommen wieder!


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