99 Oldtimer und ein frisches Brot, das sich nicht finden ließ

Der späte Vogel erwacht heute bereits lange vor der Sonne und gemeinsam lauern wir im Halbschlaf noch unter die dicke Decke gekuschelt darauf, dass diese endlich auftaucht. Das dauert und dauert, ist aber bei unserem Panoramaparkplatz durchaus lauschig. Der Vormittag gehört der Besichtigung von Napier, einem nach dem Erdbeben vom Februar 1930 im Art Deco-Stil neu errichteten Städtchen. Wir haben das besondere Glück, dass genau an diesem Wochenende das jährliche Art Deco Festival stattfindet und fast ganz Napier im Stil der 30er Jahre gekleidet ist und in entsprechenden Fahrzeugen durch die palmengesäumten Straßen zieht. Ein Frühstück und eine kleine Einkaufsattacke bei der australischen Papierwarenkette „typo“ später sind wir wieder „on the road“. Die vier Stunden Fahrt nach Wellington ganz in den Süden der Nordinsel fühlen sich auch genauso lang an, wie sie sind.

Vor allem auch, weil wir für den kleinen Mittagsimbiss auf einem Picknickplatz am Straßenrand noch frisches Brot brauchen. Doch alle Bakeries, das haben wir in Neuseeland außerhalb Aucklands leider immer wieder festgestellt, haben zwar verheißungsvolle Namen, Vitrinen voller Pies und lascher Sandwiches, aber keinerlei simples, nacktes Brot. In den Supermärkten in den kleinen Orten unterwegs, soweit man da überhaupt von „super“ sprechen kann, gibt es zwar geschnittenes Toastbrot mit Haltbarkeit bis 2027, aber nichts, was jemals für den sofortigen Verzehr und in einer Menge für ein bis zwei Personen gebacken worden wäre. Doch ich bin nicht umsonst GENUSSMEILEN-Autorin. Aus vorgekochten Nudelresten, Tunfisch aus der Dose, Resten von Frühlingszwiebeln, etwas Creamcheese und einem Paprika wird ein leckerer Mittagssalat. Und im Tiefkühlfach unseres Kühlschranks (ja, auch sowas bietet unserer Luxuskarosse) finden sich doch tatsächlich noch zwei kleine Eislutscher der neuseeländischen Marke „Kapiti“. Etwas Boysenberry-Eis mit Schokoüberzug bzw. Weiße Schoko mit Raspberry erfrischen uns ausreichend für die zweite Fahreinheit bis Wellington.

Wobei: So viele Berge gab es bei unserem letzten Neuseelandbesuch noch nicht. Wie sind die hierher gekommen? Wie vermehren sich Berge? Und überhaupt: Wer braucht so viele Kurven? Egal, in Welli ist es zwar etwas bewölkt und etwas kühler, aber für unser Wochenendprogramm in der Stadt (Märkte, Märkte!) soll uns das kalt lassen. Der Campingplatz ist denkbar uninspiriert, was für uns etwas ganz Neues ist. Stellplätze auf einer Asphaltwüste inmitten eines Gewerbeparks 20 Minuten außerhalb von Welli sind nun nicht das, was wir in den letzten Tagen gewohnt waren. Wer wird mir heute die Brandung machen? 

 
 

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