Noch mehr von der Sehr Geehrten Vorfreude

Je intensiver sie sich ausbreitet, desto mehr darf und muss man sich mit ihr befassen. Die Rede ist von der Sehr Geehrten Vorfreude. In meinem Fall von der Vorfreude auf 99 Tage Sommer, die in etwa 10 Tagen beginnen.

Da stellen sich dann Fragen wie: Was ist die Einheit für Vorfreude? Alles kann man messen und beeinheiten – selbst so herrlichen Dingen wie Süßigkeiten kann man durch den Zusatz Kalorien oder Joule einen sehr bitteren Nachgeschmack verleihen, der durch den Test auf der Waage noch bitterer wird: Kilogramm, Prozent Fettgehalt – für alles haben wir eine Einheit.

Wie wäre es also, wenn ich nun sagen würde, dass ich heute 99 Wonnen Vorfreude gefühlt habe (zumindest vor der großen Putzattacke)? Das könnte man dann mit ausreichend mathematischem Talent umrechnen in: 47,5 Tadada Schierefreude oder 3.288 Kilojubel, in 33.876.233 Mikrojubilier oder – im schlimmsten Fall – doch wieder in simple Kilogramm. Die Sehr Geehrte Vorfreude neigt nämlich dazu, sich auf den Hüften anzusiedeln. In Form von einem letzten Täfelchen echter Milka-Schokolade, einem letzten Backhendl-Salat, einem letzten Schweinsbraten von Mami mit den zugehörigen Waldviertler Knödeln oder einer Portion Einmalnochschokopalatschinken (die ich mir bestimmt seit drei Jahren nicht mehr gegönnt habe).

Weil (vor allem) frau die mathematisch unterentwickelten Gehirnhälften manchmal auch fordern muss, gehen derlei Umrechnungen nicht ohne Kopfstände ab, übertragen gesprochen natürlich. So muss sie sich also der Tatsache stellen, dass in die oben dargelegte Gleichung noch ein weiterer Faktor einfließt: der wochentagsbedingte Frustfaktor, kurz WBFF genannt. Während dieser montags etwa in einer Potenz "hoch minus 7 mon" zu sehen ist, entwickelt er sich bis zum Freitag hin zu einer Potenz "hoch plus 37 fri". Will ich jetzt wirklich umrechnen – die herrlichen 47,5 Tadada Schierefreude hoch (im heutigen Fall) plus 5 sun" in Kilogramm? Meine Waage darf sich fürchten – nicht zuletzt weil wir heute lecker brunchen gehen. Meine mathematisch nur sehr leicht angehauchten Gehirnhälften streiken. Ich zeige Einsicht, höre auf meinen Körper und lasse es. Mit 47,5 Tadada Schierefreude bin ich überglücklich, und so soll es auch bleiben.

Festgemacht habe ich meine 99 Wonnen Vorfreude in den letzten Tagen mehrfach:

1. Beim Anblick der Wetterwerte für Sydney im Vergleich zu Wien (man beachte dabei, dass es sich bei der Wiener Temperatur um eine Tages- bei der aus Sydney aber um eine Nachttemperatur handelt).

2. In einer ungeahnten Backattacke, im Rahmen derer plötzlich Dutzende neonfarbig-knallbunte Opernhäuser von Sydney aus Fimo aus dem Backrohr kamen. Erst als das Knallgelb aus war, legte sich der Opernbackwahn langsam und wich Punkt 3 dieser kleinen Selbstanalyse.

Zu meiner Rechtfertigung in Sachen frisch gebackene Opernhäuser muss ich allerdings sagen, dass ich immerhin geistesgegenwärtig genug war, daran zu denken, kleine Löcher zum Aufhängen in den Backwerken vorzusehen. Wer womöglich immer schon den geheimen Wunsch hatte, seinen Weihnachtsbaum mit nichts als bunten Opernhäusern australischer Bauart zu schmücken, ist bei mir an der richtigen Adresse! 25 Opernhäuser abzugeben – Freiwillige vor…


 
3. Ein unsagbarer Weihnachts-Abschieds-Bastelwahn. So entstanden dann ein paar Zündholzschachteln mit Deko und unterschiedlichem Innenleben. Mein derzeitiges Lieblingsmodell heißt (seit der neonfarbenen Wiederauferstehung des Wurliwurms): Caution, Furry Animal Inside!

4. Es ist leider nicht ganz auszuschließen, dass in der nächste Woche noch einige weitere Attacken dieser Art folgen werden. Zu viel Spaß hat es mir beispielsweise auch gemacht, die Mini-Badeschokoladetäfelchens aus feinsten Zutaten zuzubereiten und dann in kleine selbst verzierte Zündholzschachteln zu verpacken, oder kleine Badeguglhüpfe aus Sheabutter mit herrlichem Weihnachtsduft zu rühren und in selbst gebastelten Kartons unters badelustige Volk zu bringen. Auch hier gilt: Badekonfekt sucht neue Besitzer!

 


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