Totally dog – totally croc

"Natur pur" lautet das Motto des heutigen Tages. Dazu gehört meinerseits ein kleiner Sonnenaufgang und ein Naturjoghurt mit Oreo Cookie-Krümeln, gefolgt von einem Besuch des Nationalparks Everglades.

Eigentlich ein Tag für Tierliebhaber, wie sich bereits auf dem Highway in den Süden zeigt. Denn bereits dort haben wir unsere erste tierische Begegnung – mit einem Autobus! Einem umfunktionierten sonnengelben Schulbus, in dem zu unserer mehr als großen Verwunderung lauter sehr wuschelige Insassen sitzen: viele davon gefleckt und mit aufgeregt wedelndem Schwanz! Es ist ein Bus der Firma "Totally Dog", der Hunde ins Day Camp und zum Training führt. Ich bin begeistert, was es hier alles gibt!

Nach 2 Stunden Fahrt sind wir endlich in den Everglades – trotz der unerwartet langen Fahrt früh genug, um größeren Menschenmassen zu entkommen. Während ich gleich nach dem Aussteigen begeistert an einem überdurchschnittlichen Wellensittich herumknipse, deutet Max bereits auf ein ausgewachsenes Exemplar der Gattung "Riesenvogel schwarz". Ornithologen mögen mir verzeihen, aber meine Vogelkenntnisse bewegen sich eher im Bereich Vogelunkunde und sind ähnlich gelagert wie meine Autokenntnisse: das große schwarze, das kleine blaue, wobei ich bei den Autos noch mit der Differenzierung zwischen Metallic und Natur, Cabrio oder fest bedacht aufwarten kann. Bei den Vögeln habe ich es nicht einmal soweit habe gebracht. Und während ich mich euphorisch von einem kleinen grauen auf einen großen schwarzen (mit Pelzkragen!) verlagere, plötzlich eine minimalistische Bewegung 2 Meter von mir und vom großen schwarzen entfernt. Der erste Alligator erwartet uns am Anhinga Trail, einem Rundweg von ca. 1 km, bereits am Anfang des Weges. In dieser Tonart geht es weiter: Unmengen an Vögeln, darunter viele der namensgebenden Anhingas (schwarze Schlangenhalsvögel, bei denen man beim Schwimmen nur ihren Schlangenhals sieht und die danach gerne mit ausgebreiteten Flügeln auf Bäumen sitzen und sich trocknen lassen, wie die angehende Ornithologin nun weiß, weil ihnen die Fettdrüsen mit wasserabweisender Wirkung fehlen). Geier und Reiherarten, aber auch jede Menge und damit meine ich tatsächlich JEDE MENGE Alligatoren. Wahnsinn! Über Boardwalks geht man durch die traumhafte Mangroven-Sumpflandschaft, alles inklusive vermutlich das eigene ungläubige Gesicht, spiegelt sich, denn sowohl die Alligatoren als auch die Anhingas bewegen sich so anmutig durch das Wasser, dass kaum Wellen entstehen.

Danach noch ein weiterer Trail, der Gumbo Limbo Trail, und dann eine weitere Autofahrt – an den Endpunkt des Everglades National Park, nach Flamingo, wo es entgegen aller Erwartungen keine Flamingos mehr gibt. (Ungeklärt weiterhin, warum die rosa Staksvögel – die Ornithologin verwendet, wie Max gerade verschlafen einwirft, nicht ganz die richtigen zoologischen Termini – dann von allen Souvenirs prangen, wenn es sie schon so lange nicht mehr hier gibt – und auch aus vielen Vorgärten, wie meine kleine Google-Bildungsoffensive soeben ergab. Das wäre doch mal passend: so ein pinkfarbenes Staksevieh im Minigarten in meiner Viehtriftgasse! Dann würde ich vielleicht endlich aufhören, mit meiner unseligen Adresse zu hadern: Viehtriftgasse wie das "liebe Fie, siehe früherer Blogeintrag. Dennoch, wenn ich hier die Adressen lese, habe ich gleich einen Grund mehr, länger hierzubleiben: Flamingo Drive, Sunset Boulevard, Ocean Drive, Coconut Palm Drive oder Purple Parrot Plaza sind meine aktuellen Favoriten.) Auf einer Bootstour halten wir Ausschau nach Delfinen und Manatees, doch außer Vögeln und Alligatoren kann auch der Guide keine größeren Lebenwesen für uns ausfindig machen. Es ist trotzdem nett, doch nach dem ersten Walk kann uns das leider nicht mehr sehr beeindrucken. Auch die Waschbären, Schwarzbären und Panther, die hier zugegebenermaßen ganz ganz selten sind, bleiben uns (noch?) verwehrt.

Auf der Heimfahrt kommen wir in den Nachmittagsstau (der gegen den in Los Angeles und auch jenen am Frankfurter Flughafen vor ein paar Tagen allerdings ein Klacks ist), was aber auch sein Gutes hat: während wir an dem vor uns stauenden Auto mit Tannenbäumen auf den Türen (ähnlich dem gestrigen mit Rentiergeweih) delektieren, entdecken wir endlich unser Lieblingsbuchgeschäft: Borders. Einen U-Turn später, der angesichts des starken Verkehrs 10 Minuten benötigt, wird endlich auch meine Vorfreude auf einen Borders-Buchladen gestillt. Meine Liste der Bücher, die ich zuhause über amazon bestellen will, wird immer länger. Und mein Stapel an inspirierenden Zeitschriften aller Art, der das Sofa unseres Apartments mittlerweile zur Hälfte einnimmt (ein weiteres Viertel ist bereits ganz wunderbarem Bastelzubehör vorbehalten) immer größer.

Als wir auch noch einen Target-Supermarkt zum Einkaufen finden, bin ich überhaupt beruhigt, denn scheinbar finden wir die wichtigen Konsumtempel früher oder manchmal auch später auch ohne GPS mit der von mir gewünschen Shoppingfunktion. Jetzt sind wir von einem sehr langen Tag (ich werde immer noch um 5 Uhr wach, was auch gut ist, denn dann schreibe ich das Blog, während Max noch schläft und nur manchmal wichtige Korrekturen vor sich hermurmelt) erschöpft. Nur mehr eine Lektion ist an diesem Tag ausständig: wer in einem 1-Zimmer-Apartment Zwiebeln brät und die Schalen in einen offenen Müllsack gibt, darf sich nicht wundern, wenn man seine Mono- und Dialoge dann weinenden Auges führt!

Ungelöst bleibt – neben der Frage, was die Mikrowelle in unserem Apartment alles zu unserem Weihnachtsmenü beitragen kann (welche der Tasten: Popcorn, Baked Potato, Dinner Plate, Beverage (echt! in dieser Reihenfolge!), Reheat, Cook, Defrost, Soften, Melt, Kids Menu) nun geeignet ist, unsere gefüllten Rouladen mit Apfel-Zwiebel-Speck-Pfanne backrohrähnlich zu backen – auch die Frage, wie man bei diesem Prachtwetter in Weihnachtsstimmung kommen soll. Ich würde ja zu gerne wissen, ob die Einheimischen, die die Weihnachtszeit nur so kennen, schon in Stimmung sind – oder nicht und deswegen verzweifelt Rentiergeweihe aufs Auto und lustige Weihnachtsmützen auf ihre Köpfe montieren. Ich jedenfalls kann nicht glauben, dass wir 1.) an einem denkwürdigen 22. Dezember in den Everglades kurzärmelig auf Sonnenbrandtour waren und 2.) morgen der 24. Dezember ist! Mal sehen, ob ein Strandspaziergang beim "Warten auf Santa" dazu beitragen kann…

 


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