Do the Shopping without the Schlepping

Wer jetzt glaubt, dass es sich bei dieser Überschrift um ein Wortkonstrukt meinerseits handelt, überschätzt mich bei weitem!

Das ist vielmehr eine Werbung für Hertz-Mietwägen, die mir sehr gut gefallen hat.

Andererseits: wer braucht ein Mietauto, wenn er Herrn Max hat? Einer von uns kümmert sich ums Shopping, der andere ums Schlepping. Nette Arbeitsteilung, wie ich finde. Daher im wahrsten Sinne des Wortes: Thanks a bundle, my dear!

A propos Schlepping: nix Neues von der Kofferfront. Er wird, angeblich, jetzt gesucht und dann nach Wien geordert. Arrivederci!

Ansonsten freuen wir uns über das Nichteintreffen der Wetterprognose: aus dem angekündigten Schnee wird phasenweise blauer Himmel. Das spontane Routing – wozu machen wir morgens eigentlich einen Tagesplan, wenn wir ihn beim ersten Sonnenstrahl völlig über den Haufen werfen? – führte uns daher zunächst einmal zum Ground Zero. Sehr imposant und eigentlich unvorstellbar, dass hier einmal zwei Riesentürme gestanden sind, die dann einfach so vernichtet wurden. Heute ist das gesamte Areal eine riesige Baustelle.

Ich erinnere mich noch genau, wo ich war, als ich davon erfuhr: mit meiner Freundin E. beim Bummeln im Donauzentrum, als mich Lukas anrief und mir davon erzählte. Ich, banausöse Zweitmutter, die ich damals war, nahm das nicht so ganz ernst – zu oft hatte er mir als Flugzeugfan schon Horrorgeschichten von Flugzeugunfällen erzählt. Umso schlimmer dann die Bilder im Fernsehen an jenem Abend.

Nach dieser persönlichen Gedenkminute ging es weiter zum Battery Park mit Blick auf die Freiheitsstatue und das Meer. Eigentlich wollen wir mit der kostenlosen Staten Island Ferry auf selbige Insel übersetzen, weil von dort der Blick auf die Skyline so großartig ist, doch 1.) zieht es während des Wartens auf die Fähre zu und 2.) kommt kurz vor Eintreffen der Fähre der Moment, wo Max und ich uns ansehen und dasselbe denken. Wir wollen nach unseren traumatischen Warteerfahrungen am Flughafen von Washington keine weitere Sekunde mehr angestellt verbringen und gehen zu Fuß zum Hafen Southstreet Sea Port. Sehr imposant, wie sich da Schiffe mit Riesenmasten vor der Skyline New Yorks ausbreiten.

Weitere Fußmeilen führen uns vorbei an einem Friedhof mitten zwischen den Hochhäusern, der vom örtlichen Kindergarten als Spielplatz genutzt wird, und dann nach China Town, der größten Ansammlung von Chinesen außerhalb von Chinas übrigens. Und genau so fühlt es sich auch an. Spannend, aber bei weitem zu trubelig! Von rechts und links flüstern einem Einheimische angebliche Sonderangebote ins Ohr, die man zumeist nicht versteht. Es fallen dabei aber immer Worte wie "Dolce & Gabbana" etc., und das in der unerkenntlichmöglichsten Aussprache, die man sich ausmalen kann.

Endlich endlich – ich verkneife mir in all dem Trubel sogar den Kauf einer sehr hübschen D&G-Sonnenbrille – finden wir das angestrebte, weil empfohlene Dim Sum-Lokal namens "Golden Unicorn". Ein Päuschen in aller Ruhe brauchen wir dringend. Da hätten wir allerdings anderswo einkehren sollen. So stelle ich mir den Hauptbahnhof von Shanghai vor. Den Wahrheitsbeweis will ich angesichts meines dabei auftretenden Unwohlbefindens gar nicht erst antreten – obwohl ich ja so gerne Chinesisch lernen würde. Es wurlt vor lauter Menschen und Kindern, die einander zu überschreien versuchen, weil sie einander sonst ja nicht hören können. Die runden Tische beherbergen mindestens 20 Personen, die alle miteinander eine Art der Kommunikation versuchen. Wir an unserem Zweiertisch nehmen uns da eher einsam aus. Alles ist dicht gedrängt, und zum Abräumen der Tische rückt das Personal mit Wagerln an, auf die das gesamte auf dem Tischtuch befindliche Geschirr gefegt wird. Die anderen Wagerl sind erbaulicher: denn darauf liegen die frisch gedämpten Dim Sum-Häppchen, von denen wir geträumt haben. Sehr lecker, auch wenn es ein reines Ratespiel ist, was sich in den verschiedenen Päckchen verbirgt.

Einigermaßen erholt suchen wir dann noch das Le Parker Meridien Hotel. Auf dem Weg dorthin springt mich die perfekte blaue Handtasche an. Der Verkäufer ist wesentlich interessierter und entgegenkommender als der gestrige und lässt mit sich handeln. Das D&G-Pickerl gibt es bei ihm allerdings nicht… Das Hotel suchen wir übrigens deshalb, da dort berühmte Bäckereien der Stadt Lebkuchenhäuser gebaut haben, die Sehenswürdigkeiten der Stadt darstellen. Das Empire State Building ist nicht schlecht gelungen, aber so ganz überzeugt mich diese Ausstellung nicht.

Noch ein letztes Gewurl steht uns bevor: zu Fuß zur U-Bahn und dazu über den Times Square. Wenn es am 28.12. am Nachmittag hier bereits keinen Platz gibt, frage ich mich, wie man hier das Silvesterfeuerwerk unbeschadet überstehen soll. Ob wir uns das wirklich geben wollen?

Ein paar letzte Stopps noch in diversen Koffergeschäften, denn irgendwie müssen wir ja unsere Ersatzausstattung an Kleidung und sonstigem nach Wien bringen, aber das hat noch Zeit. Der Höhepunkt des Tages, wie so oft in der Auszeit, wird auch heute das Wäschewaschen im skurrilen Keller unseres noch skurrileren Apartment-Hauses, der noch immer mit einer unglaublichen Fülle an absurden Bildern und Postern und Weihnachtskitsch geschmückt ist, an rohen Wänden versteht sich.


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