Washington, die Zweite

Also noch eine Nacht in Washington! Diese allerdings auf eigene Kosten, denn die Fluglinie zahlt nicht mehr.

Bemerkenswert ist an diesem Tag einiges: So etwa, dass ich es schaffe, an einem Tag, an dem wirklich nichts passiert ist, außer dass wir uns zuerst 6 (!) Stunden lang und dann weitere 2 Stunden lang die Beine in den Bauch gestanden haben, so viele Fotos mache.

Aber der Reihe nach, solange ich es mit Kreuzschmerzen vom vielen Stehen, aber in einem niegelnagelneuen Nachthemd, eigentlich einem Longshirt, mit der Aufschrift "Borrowed from the Lincoln Bedroom" (des Weißen Hauses vom Washington), dem einzigen am Flughafen erhältlichen Ding, das verhindern soll, dass ich eine zweite Nacht (ja, unser Gepäck ist immer noch irgendwo im Nirwana, könnte aber doch noch vor uns in New York ankommen) im bereits sehr, sagen wir mal abgetragenen, T-Shirt schlafen muss.

Sagte ich der Reihe nach? Okay, noch ein Versuch:

Also wir um halb Sechs Uhr morgens unter Bestaunen der sehr süßen Weihnachtseisenbahns des Hotels zum Flughafen-Shuttle. Davor noch ein paar Schritte durch die eingeschneite Landschaft inklusive eingeschneiter Autos. Doch es hat aufgehört zu schneien und der Tag macht sich bereit, seinen blauen Himmel zu zeigen und uns viele Schwierigkeiten zu bereiten.

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Am Flughafen angekommen müssen wir feststellen, dass der 7 Uhr-Flug, für den wir ev. Standby-Plätze bekommen hätten können, gecancelt wurde – so wie etwa 100 andere Flüge in alle Welt. Das führt dazu, dass sich binnen Minuten eine unglaublich lange Menschenschlange vor den Umbuchtungsschaltern bildet. Wir mitten drinnen – ganze und geschlagene 6 Stunden lang! Dass es nicht 8 geworden sind, verdankten wir einer ziemlichen Eigeninitiative meinerseits, die mich jubilierend und mit Boarding-Pässen durch die immer noch – teilweise HINTER uns – wartenden Massen hüpfen ließ, naja sowas ähnliches.

Erleichtert, dass wir fixe Plätze für den Flug um 14.45 haben, dann eine Verschnaufpause, in der wir unter anderem Ersatz-T-Shirts besorgten. Auf dem Weg dorthin die ernüchternde Erkenntnis: auch dieser Flug wurde gecancelt!

Weitere 2 Stunden Schlangestehen und -sitzen später haben wir wieder Standby-Tickets für einen 17 Uhr-Flug. Leider ist die Warteliste sehr lang und die Abflugzeit verschiebt sich minütlich um eine halbe Stunde nach hinten.

Wir beschließen, nicht bis zum späten Abend zuzuwarten, ob wir denn vielleicht doch auf diesen Flug kommen, wenn er denn überhaupt stattfindet, sondern verlassen kurzer Hand und müden Fußes den Flughafen. Wir haben erfahren, dass es günstige Busse nach Washington gibt. Einziges Problem: die Taxis sind eine (teure) Rarität, das Bus-Terminal 70 USD weit entfernt und die Straßen nur mittelgut geräumt.

Wir steigen in Chinatown aus – nicht ohne unterwegs noch den Obelisken von Washington (Reiseführer haben wir auch keinen von hier, aber dafür auch weniger zu schleppen – was übrigens auch das Gute daran ist, dass unser Koffer noch immer verschwunden ist) beim Vorbeifahren bewundert zu haben. Schön abendlich beleuchtet auch die monumentalen Gebäude und die Schneemassen – vor allem jene, die noch zart und weiß sind. Auch davon gibt es noch jede Menge. Das Gehen allerdings ist schwierig: so etwas wie geräumte Gehsteige gibt es hier nicht.

Dementsprechend eisig ist es auch. Wir irren eine Weile  – ohne Plan, ohne Hotel und ohne Busticket nach New York – herum, bis wir die nötigen Infos beisammen haben. Auch das ist nicht einfach, denn hier herrscht der Ausnahmezustand. Fast niemand ist auf der Straße, schon gar nicht zu Fuß. Morgen sind wegen des "snow emergency" alle Bundeseinrichtungen und Schulen gesperrt – bei einem Wetter, bei dem man bei uns zwar ein wenig flucht, aber sonst seiner Wege geht, als ob nichts wäre.

Endlich finden wir den Busfahrplan nach New York heraus und beschließen, erst morgen zu fahren. Wenn denn morgen auch gefahren wird, was bei dem Wetter, diesem "blizzard" und "snow storm", der sich mittlerweile nach New York begeben hat, gefahren werden kann. Wie lange das dauert, steht ebenfalls in den Sternen. Normal etwa 4,5 Stunden.

NYC2009 2012 (100) compressedNYC2009 2012 (93) compressedDa wir nicht wie die Sandlerin am Straßenrand enden wollen – mit unseren mittlerweile gatschig-nassen Hosen und Schuhen und vom vielen Schleifen durch den Flughafen vergammelten City-Rucksäcken haben wir gute Voraussetzungen – kümmern wir uns mit letzter Kraft um ein Hotel. Und haben erstmals Glück: ein humaner Tarif in einem sehr netten Hotel nahe des Busbahnhofs. Aber kein Glück ohne Unglück: Max streut irgendwo sein Handy aus, was doppelt blöd ist, da die Kofferzusteller uns darauf informieren sollen, wann sie uns den Koffer nach New York bringen!

Mit allerletzter Kraft gehts nebenan zum Supermarkt, wo wir uns mit Zahnpaste, Socken und ähnlichem Kleinzeug wieder die Grundlage dafür schaffen, morgen zumindest wie aus einem alten Ei gepellt auszusehen. Der Mikrowellenherd im Zimmer spuckt unser Abendessen warm aus, das Internet ein paar Informationen und alles Weitere lassen wir morgen geschehen! Einfluss darauf haben wir scheinbar derzeit keinen.


Kommentare

Washington, die Zweite — 1 Kommentar

  1. Was für ein Pechaber auch!
    Ich schicke ein bissl was von dem hier für morgen angekündigten Tauwetter sofort über den großen Teich zu euch. Außerdem bange ich natürlich weiterhin mit euch und halte die Daumen, dass ihr es nun doch endlich noch ins ersehnte NYC schafft bevor eure Reise zu einer richtigen Herbergssuche ausartet!
    cheers
    Karo

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