Trouble in Paradise oder frei nach W.Ambros: „…wann ma aufwacht in da Frua, is von Sonne ka Spur…“

Was in der Früh nur nach ein paar dunklen, bald grauen, bald schwarzen Wolken aussieht, entwickelte sich minütlich entgegen aller Vorhersagen und Wünsche. Die einzig "wahre" Pool-Stimmung kommt eigentlich nur auf, als wir am Morgen den überlaufenden Pool (nein, nicht regenbedingt, sondern servicebedingt) vor unserem Apartment entdecken und die Poolableger vor unserer Haustür auf dem Weg zum Auto bezwingen müssen. Während wir dann in der Künstlerkolonie Matlacha auf Pine Island noch Sonne abbekommen, ändert sich das gegen Mittag. Als wir unseren Einkauf bei SuperTarget beenden, gilt es, über den Riesenparkplatz zu joggen und sicherzustellen, dass das frische Brot nicht ganz durchnässt wird. Routinierte Camper wissen: wenn einem vor lauter Prasselregen eine Pause im Auto aufgenötigt wird, kann ein kleines Hppchen nicht schaden. Das nur leicht feuchte Brot schmeckt in Verbindung mit dem Knoblauch-Humus ganz vorzüglich; der frische Lachs sowie die Crab Cakes fürs Abendessen bleiben aber – noch – verschont.

Der Rest des Tages ist dann eher der Kategorie "Uneventful" zuzuordnen: hie und da ein Stop, um in einer der Malls ein bisschen zu stöbern (Max hat sich mittlerweile sein 10. Buch gekauft und sein Nachttisch gibt Grund zur Annahme, dass ER übermorgen nicht nach St Petersburg abreisen, sondern noch 1-2 Monate hier bleiben möchte), danach Cocooning im Apartment und Liebäugeln mit den sehr einsamen Sonnenstrahlen, die sich gegen Sonnenuntergang gegen 18 Uhr zeigen. Ein bisschen Planen, ein bisschen Werkeln am "schönen Tagebuch" und Spielen mit den neuen Goodies aus diversen Bastelläden (Erkenntnis 1: Reise nie ohne Spitzer! Erkenntnis 2: Reise nie ohne Falzbein!) und ein bisschen Snacken (etwa das soon-to-be-famous Max' Southern Florida Spur of the Moment Sandwich bestehend aus Brot, Knoblauch-Humus, Hühnchen, Spinatblättern, rosa Grapefruit und Sternfrucht).

In einem Anfall von Coupon-Management besuchen wir daher auch den Küchenzubehörladen Williams-Sonoma, wo wir unseren 10 USD-Gutschein von unserem Vorweihnachtseinkauf einlösen. Überhaupt ist es ja so, dass das Coupon- und Voucher-Management in den USA eine eigene Studienrichtung sein sollte: in jeder Zeitung, jedem Magazin, jeder Broschüre von Infostellen finden sich unzählige Coupons für Geschäfte und Dienstleister, mit unterschiedlichsten Gültigkeitsbestimmungen von Datum bis zu Standort der Filialen. Mittlerweile habe ich unter dem Beifahrersitz im Auto eine eigene Coupon-Tüte eingerichtet, wobei es mir bisher erst einmal (heute) gelungen ist, den richtigen Coupon dabeizuhaben bzw. den richtigen Laden zum richtigen Zeitpunkt damit anzusteuern. Damit uns unsere 10 USD also nicht verfallen, nenne ich mich jetzt um einen mickrigen Dollar stolze Besitzerin von 2 Dosen buntem "Sanding Sugar" für Backkunstwerke aller Art. Ich werde das Coupon-Management in den nächsten Tagen hoffentlich noch etwas optimieren, denn auch für drei Bastelläden habe ich solche kleinen Gutscheine, und die sollen doch nicht verfallen!

Außerdem passiert, was bei Schlechtwetter und entsprechender Schlechtstimmung immer passiert: anstatt der landläufigen "fight or flight response" stellt sich bei mir der "bake a cake instinct" ein – ich bekomme unglaubliche Lust auf kleine bis mittlere Backorgien und kaufe entsprechend einen Biscuit-Mix für Buttermilch-Käse-Brötchen und spiele mit dem Gedanken, auch weitere drei bis fünf Kuchenmischungen (Double Chocolate und Triple Chocolate rangieren bei diesem Wetter ganz vorne) mitzunehmen. Die Vernunft siegt und die Brötchenmischung reicht auch ungebacken aus, um mich über das kleine Wetter-/Stimmungstief hinwegzubringen. Den Rest übernehmen die "Spielsachen", die sich mittlerweile über das halbe Apartment erstrecken 😉 Fehlt nur noch die Reise-Nähmaschine (siehe gestriges Blog), denn damit könnte ich die gekauften Stoffe und Patchwork-Anleitungen gleich testen. Wobei ich mir eigentlich sehr sicher bin, dass es nicht an der fehlenden Nähmaschine scheitern würde, sondern vielmehr am fehlenden Reise-Know-how für absolute Quilt-Anfängerinnen, auch wenn ihr Begeisterungsfähigkeit so manches Manko und so manche schiefe Naht wettzumachen versteht. Aber so habe ich zumindest schon jetzt einen kleinen Grund, mich auf zuhause und insbesondere meine neue Nähmaschine mit hoffentlich integrierten Consulting-Leistungen zu freuen!

P.S. Ich weiß nun übrigens, wie es kommen konnte, dass gestern auf Sanibel keiner die wunderschönsten Muscheln mitnahm, die auch ich wegen akuter Besiedelungsangst zurückließ. Das Motto lautet: Please remember: you cannot take the shell if an animal still calls it home.

 
 
 

 


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