Was vom Pfötlingswahn blieb

Mit Freude stelle ich fest, dass ich immer noch voller Überraschungen stecke.

Und dass ich, bekennende Winterhasserin & Wintermeiderin (wenn auch noch ohne langfristig erfolgreiches Konzept), den Winter aller Winter kommen sehe. Und das, man höre und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, im positivsten aller Sinne!

Denn nachdem ich dem Damoklesschwert des letztjährigen Winters nur durch einen Kunstgriff oder eigentlich mehrere entkommen war, begann ich allmählich, mir Sorgen darüber zu machen, was im kommenden Winter aus mir und dem Blues werden sollte. Blog-StammleserInnen erinnern sich vermutlich – mit Schrecken – an meine Phase, als ich Nicht-Handarbeiterin mit schwerem frühjugendlichen Handarbeitstrauma angesichts endloser Auftrennorgien, auf denen meine Schneiderinnen-Großmutter bestand, plötzlich versuchte, an ihre Strickkenntnisse aus dem letzten Jahrtausend anzuknüpfen. Und so rund 10 Paar Pfötlinge, auch als Pulswärmer bekannt, in allerlei Farb- und leider auch Größenkombinationen hervorbrachte. Das Konzept ging auf, aus welchem Grund auch immer: Vielleicht waren sie so schrecklich, dass der Winterblues freiwillig anderswo Einzug hielt, vielleicht kam ich vor lauter Suchen nach verloren geglaubten Maschen einfach nicht dazu, den kleinen Blues zu nähren. Und wie viele Freundinnen dankbar waren, als sie meine Weihnachtsgeschenke auspackten und KEINE Pfötlinge drin vorfanden, versuchte ich erst gar nicht mir auszumalen.

Aber in diesem Winter, diesem kommenden, allzu bald kommenden, werde ich erneut Handarbeitsgeschichte schreiben, zumindest innerhalb meiner vier Wände und meiner Möglichkeiten. In einem kühnen Anflug, begründet auf die ersten beiden erfolgreichen Prototypen, rechne ich mir nämlich gar den Winter aller Winter, den Winter selbst genähter Taschen, aus. Da staunt Ihr, oder?

Das Beste daran: Dieses ambitionierte Projekt ist nicht ganz so aus der Luft gegriffen, wie man meinen könnte. Denn während der Sommer in den letzten Wochen sein herbstliches Unheil anrichtete, verschanzte ich mich stundenweise hinter Nähanleitungen und der zugehörigen Maschine. Zugegeben: das ging nicht ganz ohne mütterlichen Beistand ab, aber in Sachen Winterprophylaxe sind schließlich alle Tricks erlaubt. Da stehe ich eben auch mal um halb acht Uhr morgens bei Muttern auf der Türdacke (auf Hochdeutsch: Türmatte), um schnell mal ein Stündchen Näh-Coaching im Tag unterzubringen.

Das erste Modell, weit mehr als ein Prototyp, zumindest solange man nicht auf diese eine Innennaht schaut, bei der der Zwirn nicht richtig transportiert wurde und dadurch ein trauriges Lockenspiel im tiefsten Inneren entstand, ist soeben fertig geworden und für meine traumatischen Verhältnisse ein richtiges Meisterinnenwerk! Tatatata! Der Winter kann kommen. Nur vorher würde ich gerne noch meine Gummistiefel aus Rügen ausführen und meinen Herbstmantel, zu dem eine meiner neuen Taschen eigentlich ganz hervorragend passt und noch etwas Herbstsonne genießen, bevor es ans Eingemachte geht (was mich daran erinnert, dass ich auch gerne mal umfassend Sachen "einmachen" würde, was ich mir aber wohl fürs nächste Jahr aufhebe).

Die Belohnung für den durchschlagenden näherischen Erfolg, der auf Facebook sogar ein paar Bestellungen nach sich zog: ein Besuch mit einer lieben Freundin im Salon de Thé (www.suessi.at), einem entzückend-kitschigen öffentlichen Wohnzimmer, wo die Tische immer gedeckt sind und herrlichste Sünden zum Löffeln auf die Besucher warten! (Großes Geheimnis: die Köstlichkeiten gibt es auch zum Mitnehmen!)

 


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