I try to like fall, part I

Heute ist es also soweit. Das Wetter hat mich zermürbt und eine neue Ära eingeläutet. I LOVE SUMMER war einmal, jetzt beginnen die Herbstversuche (und nicht alle sind so schön wie die frühherbstlichen Abendsonnenstimmungen an der Alten Donau, wie ich sie vor wenigen Tagen noch mit Freundinnen erlebt habe): allen voran die Versuche auch den Herbst zu mögen, alle Herbstideen umzusetzen, am besten noch mit Elan und viel Freude. Ein hoch gestecktes Ziel, wie ich heute finde, wo ich das Bedürfnis hätte, mich ins Bett zu legen und einen ganzen Tag lang zu lesen. Okay, ich gebe es zu, ich habe das gerade 2 Stunden lang gemacht. Aber da in der Küche ein paar kulinarische Experimente warten, ist es nun genug damit. Es war schwer genug, den spannenden Thriller einmal aus der Hand zu legen: ich darf am Weg in die Küche nur ja nicht am Schlafzimmer vorbeikommen, was bei unserer Wohnsituation leider unvermeidbar ist. Ich darf mich jedenfalls keineswegs aufs Bett setzen – könnte sein, dass ich umfalle und gleich wieder mit dem Buch versumpere. Aber ich finde Lesen einfach herrlich, wenn draußen die Bäume vor dem Fenster herumwedeln wie eine grüne Sturmwarnung. Da wird wohl nichts aus der Radrunde heute. Zu toppen wäre das Lesen nur noch durch den Duft von frischem Kuchen – das bringt mich auf eine Idee. Okay, ich unterbreche hier mal und gehe ZIELSTREBIG in die Küche!

1 Stunde später

Ich habe es also geschafft, an Bett und Buch vorbeizugehen und bin – immer noch energiegeladen – in der Küche gelandet. Eine Zitronentarte sollte es werden. Bereits die Vorbereitungen wurden von interessanten Erkenntnissen begleitet. Hat schon wer versucht, ein Ei mit einem Loch aus dem Kühlschrank zu nehmen, während er a) nichts von der Existenz des Loches wusste und b) ein ausgeschnittenes T-Shirt trug? Dann weiß er oder sie wohl auch nicht, wie es sich anfühlt, wenn ein großes Eiklar sich im Dekollete verteilt! Und er weiß dann wohl auch nicht, wie klebrig die Eiweiß-Spritzer auf dem Fußboden sein können und wie lange sich die Zubereitung einer Tarte dadurch hinziehen kann!

Dafür aber sorgte obiger Sturm auch für eine freudige Überraschung. Denn seit gestern vermisse ich mein Handy. Ich meine, eigentlich vermisse ich es gar nicht, aber es gehört eben doch irgendwie zu mir. Als mich nun, ich ein löchriges Ei in der Hand, ein schlatziges Eiweiß im Ausschnitt und etwas Resteiweiß an den Füßen, ein Riesenknall aus den Überlegungen reißt, wie ich diesem Saustall am besten beikommen könnte, kam es zu einem freudigen Wiedersehen. Denn auf der Suche nach der Ursache für den Knall stellte ich fest, dass wieder einmal beide Fahrräder vor der Haustüre umgefallen waren, was mein vermisstes Handy zu Tage förderte. Ich hatte es nach der gestrigen Ausfahrt eine ganze Nacht und einen regnerischen Vormittag lang offen im Radtaschen-Außenfach gehabt. Aber es funktioniert noch. Dass ich nun auch etwas Eiweiß ins Vorzimmer vertragen habe, ist da eigentlich nur ein Detail am klebrigen Rande meiner Hütte. Und weil ich schon beim klebrigen Kleckern bin, wage ich mich auch an kandierte Zitronen heran. Diese sind auch einige Stunden nach dem Trockenbeginn noch so klebrig wie meine Füße, aber der Tag ist noch nicht zu Ende, und während ich mich demnächst in die Dusche schmeißen werde, dürfen die Zitronen noch einmal ins wohlig-warme Backrohr.

Außerdem stelle ich fest, dass der Wetterbericht stündlich wechselt. Ich überlege, ein Volksbegehren zu initiieren zur Abschaffung von Wetterprognosen. Heißt es vor 1 Stunde noch, dass es am Nachmittag sonnig wird, heißt es jetzt, dass es stürmisch und nass wird. Das geht nun schon seit Tagen so. Ich finde, dass ich für eine Zustandsbeschreibung keinen Wetterdienst brauche und Karten legen kann ich selbst.

3 Stunden und 3 neue Wetterprognosen später

Die Wetterheinis hatten ein Einsehen: es wird heute einfach nicht mehr. Nichts mehr mit Radfahren, denn der heutige Sieg geht eindeutig an unsere Schweinehunde. Ob man für sie eigentlich nun auch einen Hundeführschein – oder vielmehr einen Hundezerrschein – braucht?

Der Tag stand also Im Zeichen des Sofas (guter Titel für einen Krimi, oder doch eher für eine Love Story?), Im Zeichen der Küche (Titel eines potenziellen Kochbuchs?), Im Zeichen des Buches (selbstredend Fortsetzung von: Im Zeichen des Sofas), des nein eigentlich der Nickerchens und des angenehmen Gefühls, einfach mal fast unbedenklich Cocooning betreiben zu können. Auch das ist Herbst. Und einige Tage lang kann ich diesen Zustand ganz sicher genießen! Die feine Zitronentarte bemüht sich jedenfalls redlich, mir den Herbst schmackhaft zu machen.

 


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