Leseprobe 5

25.04.2008 – A Trip down Memory Lane

Eine Nacht und 27 Schlafvariationen später – mittlerweile überwiegen trotz der geringen Schlafbreite von nur 1 Meter (für 2 Personen!) die Schlaf- gegenüber den Wälz- und Wachminuten geringfügig – wachen wir dank unserer stark verbesserten Haltungsnoten erstmals nicht wie die Glöcknerin und der Glöckner von Brunswick Heads auf. Genau genommen wachen wir gar nicht von selbst auf, sondern werden von einer Schar lachender Hänse (Kookaburras) und einer Reihe Kinder, die sehr ähnliche Geräusche von sich geben, aufgeweckt. Der Himmel ist blau, die Sonne warm, die Laune gut und die Gold Coast wird scheinbar ihrem Namen gerecht.

Auf das 10minütige gemeinsame "Bettenmachen" bestehend aus dem Hieven von 3 Teilen Matratze, 2 Schlaf¬säcken, 2 Holzunterlegeplatten, 2 Schlaufen und 4 Häken folgen weitere 10 Minuten in unserem "begehbaren" Schrank unter der Sitzbank. Erneutes Hieven, Heben, Klemmen, Halten, Stemmen und Graben in diversen Säcken, die sich als viel zu staub- und feuchtedurchlässig erweisen, bringt schließlich einigermaßen sauberes, jedenfalls frisches Gewand und eine positive Überraschung zu Tage. Meine Trekkinghose ist circa 4 Nummern zu weit! Au ja! Doch ein Blick an mir herunter ergibt leider, dass sie mir auch um ein Stück zu lang ist. Bin ich in alle Richtungen geschrumpft? Oder ist es doch ganz einfach Mäxchens Hose, die ich mir heute herausgegraben habe? Ihm passt sie nämlich wie angegossen… Das freut mich allerdings auch, denn ich hatte beim Anziehen der ersten Hose bereits einen ziemlich unansehnlichen Fleck am Hosenbein entdeckt!

Übrigens hält das Campen mit den zugehörigen Verrenkungen zu Tages- und Nachtzeiten nicht nur den Körper in (Hexen?-)Schuss, sondern auch den Geist rege. Denn auf jedem Campingplatz gilt es, sich neue Zahlenkombinationen für die Waschräume und das "Boom Gate", den Einfahrtsschranken, zu merken.

Und während unsere einen Campingnachbarn ihr Zelt staubsaugen (ehrlich!) und über die nichtige Zeltsaugetechnik ein tiefaustralischer, also fast unverständlicher Ehestreit vom nicht vorhandenen Zaun (grins) gebrochen wird, unsere anderen Nachbarn sich alle in sehr fröhlichen Pyjamas und Ugg-Boots am Frühstückstisch um sehr verbrannt riechende Toasts versammeln (gut dass es in Zelten keine Brandmelder gibt!), ein paar Kinder in Shorts und Ugg-Boots auf Dreiradlern die Ibisse verjagen, sitzen wir erstmals gemütlich in unseren Freiluftklappsesseln beim Frühstück vor dem Auto. Darüber sind dann auch Gelsenstiche und Gänsehaut (ohne Pulli geht in der Früh doch noch nichts) schnell vergessen.

Da Samstag ist und die Sonne scheint, tun wir, was wir am liebsten tun – es wie die Einheimischen. Zunächst steht ein kurzer Strandspaziergang an. Und dann gibt’s im Riverside Cafe von Brunswick Heads herrlichen Wobbly Raspberry Lime Cheesecake und Banana Cinnamon Smoothies.