Leseprobe 1

05.02.2008 – Yes, yes, danke an den Regengott!

Die hektische Stadteinfahrt nach Kuala Lumpur meistern wir bravourös, und ich erweise mich als tolle Beifahrerin, die uns zu einem super gelegenen Hotelviertel lotst und dann ebenso bravourös auf Zimmersuche geht, während Max in zweiter Spur parkt. Es wird eine neue Bewährungsprobe für die zart keimende indisch-österreichische Freundschaft, denn das von mir gewählte Hotel ist fest in indischer Hand. Da mich Inder auf früheren Reisen in die USA und Australien bereits zwei Mal – natürlich grundlos – verhaften lassen wollten, fühle ich mich seither im Umgang mit ihnen etwas unwohl.

Doch nichts passiert: ich organisiere problemlos ein geräumiges Zimmer mit Gratis-Internet in sehr guter Lage. Der einzige Haken daran: abends ist es so laut, dass man meint, mitten im stark frequentierten Imbissladen „Hanifa“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu sitzen.

Die Kommunikation ist jedoch weiterhin schwierig: ich erkundige mich, ob es denn auch in Kuala Lumpur geregnet hat. Die Antwort des sehr bemühten Inders lautet unter heftigem Kopfnicken: „Yes, yes!“ Ich frage weiter, ob es denn auch am nächsten Tag noch regnen wird. Die Antwort lautet erneut: „Yes, yes!“ Ich erwäge ernsthaft, zu einer Detektiv-Fangfragentechnik überzugehen und zu fragen, ob es denn gerade jetzt auch regnet, während ich mir die Sonnenbrille zurechtrücke und den Schweiß von der Stirn wische. Doch ich denke, ich bin der zu erwartenden Antwort „Yes, yes!“ einfach nicht gewachsen und lasse es. Man kann die Wetterprognose ja auch im Internet herausfinden.

Unterwegs überlege ich, meine uralten, luft- und bald auch schuhsohlenlosen Nike-No-Air durch neue Schuhe zu ersetzen. Kurz entschlossen gehen wir in ein Schuhgeschäft, wo es neben 75 Nachbaumodellen, so genannten Schuh-Generika, auch echte Original-Nike gibt. Ich entscheide mich, ein nett aussehendes Modell zu probieren und ersuche die Verkäuferin, mir ein Paar in meiner Größe zu bringen. Nachdem sie meine Füße eingehend studiert hat, zieht sie wortlos ab. Das tun wir nach zehn Minuten ebenfalls, denn die Gute ist einfach wie vom Erdboden verschluckt. Als wir das Geschäft gerade verlassen wollen, merken wir hinter uns eine gewisse Aufregung und man winkt uns mit den Schuhen zurück. Vielleicht wird ja doch noch was aus dem Kauf? Ich schlüpfe in die Schuhe und bin begeistert: in jeden Schuh passen mindestens zwei Füße! Was hat sie da hinten die zehn Minuten gemacht? Die Boote, die sie mir zum Probieren bringt, aufgeblasen? Unnötig zu sagen, dass wir uns kein Boot zulegen möchten (Max: grins, ich kann bald nicht mehr vor lauter Lachen) und dem Geschäft endgültig den Rücken kehren.