Hinter den Kulissen

Auf dieser Seite gibt es Momentaufnahmen aus dem Leben einer Kochbuchautorin, einen Blick hinter die Kulissen und die Küchentür.

Wer nur das fertige Kochbuch "Genussvoll um die Welt – Ein Reisekochbuch für alle Sinne" sieht, hat vermutlich keine Vorstellung davon, wie schwierig sich "The Making of" manchmal gestaltet hat. Ja, wenn eine ein Kochbuch schreibt, dann kann sie was erzählen…

Ich sage nur soviel: Wie viele unentdeckte Fliegen passen auf ein Kuchenfoto? Wie weit kann Wind fein aufgestreuten Staubzucker verblasen? Wie sieht ein fein gedeckter Tisch aus, nachdem der Wind das Tischtuch in die Satay-Sauce geblasen hat? Wie sieht das Gesicht der Köchin aus, wenn ihr kurz vor dem Eintreffen der Gäste ein Kuchen zerfällt? Fragen über Fragen, auf die ich keine Antwort gebraucht hätte…

Hier kommen also die besten Hoppalas zwischen Kühlschrank und Herd; man glaubt es kaum, aber auf diesen 100 cm ist jede Menge Spielraum für kleine und größere Irrtümer, sei es mit den seltsamen Neenish Tarts, Laufkäse von der Ziege, der häufchenweisen Boysenberry Apple Tart oder dem wenig perfekten Schreibtísch in stressigen Zeiten.

Neenish Tarts (9)

 

Die seltsamen Neenish Tarts

Es war an einem März-Tag, als ich mich über die typisch australischen Neenish Tarts hermachte. Zunächst sah alles nur halb so übel aus; der Mürbteig hielt, was er versprochen hatte; die Füllung war lecker und recht ansehnlich, und die braune und rosafarbene Glasur sah auch recht vielversprechend aus. Ich erwartete einen lieben Gast und freute mich, dass die Neenish Tarts für den ersten Versuch ganz passabel geworden waren. Doch dann… Als ich die fertig glasierten Küchleins nach ein paar Stunden aus dem Kühlschrank nahm und servieren wollte, staunte ich nicht schlecht: die gesamte rosafarbene Glasur war verschwunden, irgendwo in den Tiefen des Mürbteigs oder der Füllung! Der dankbare Gast aß brav, was ich ihm beschämt kredenzte – und fragte sogar an, ob er die übrig gebliebenen Stücke als Proviant mitnehmen dürfte. Ja, er durfte! Im Kochbuch sind die Neenish Tarts jedenfalls nie gelandet. Ich übe noch… (Und das Foto ist natürlich ein Vorher-Foto; nachher stand ich zu sehr unter Schock, um die Kamera zu zücken!)

Zitronentrio Laufkäse von der Ziege

Auch eine Freundin wurde Opfer meiner Testreihen. Es ging um die Zubereitung des herrlichen Ziegenkäses in Kruste. Nach einigen Versuchen war ich recht zuversichtlich, den Käse diesmal unter Wahrung seiner Form und meiner Fassung auf den Teller und den Tisch zu bekommen. Kurz vor Eintreffen meiner Freundin verließen mich die Nerven und ich bereitete meine Portion zu. Große Bestürzung meinerseits und großes Zerlaufen kässeits (nicht in dieser Reihenfolge) war das ernüchternde Ergebnis. Was tun??? Eine flache, ausgelaufene Scheibe von sehr alt aussehendem Käse wollte ich partout nicht kredenzen. Aus den einzigen vegetarischen Zutaten, die mein Kühlschrank an diesem Tag hergab, zauberte ich schnell einen anderen Snack – und gestand B. nachher mein Unglück. Einige Wochen später jedoch hatte ich den Trick heraußen: der Käse muss paniert und eingefroren werden, bevor man ihn bäckt. So fand dieser Snack doch noch ein glückliches Ende und Eingang in mein Kochbuch! Mit der Nachspeise (die Hauptspeise blieb unfotografiert) konnte ich dann aber punkten – mit einem Trio aus Lemon Curd, Lemon Cupcake und gezimtetem Eis.

Boysenberry Apple Tart2 (27)

Die häufchenweise Boysenberry Apple Tart

Ein anderer Tag, ein andere Einladung: Ostern 2009, Zeit für die tasmanische Boysenberry Apple Tart. Was kann da schon schief gehen, dachte ich, insbesondere da ich sie einmal (siehe Beweisfoto) schon perfekt hingebracht hatte. Doch wie das Leben, der Backofen oder die zwei linken Händchen (ich weiß bis heute nicht genau, woran es lag) so spielen, sollte gerade an dem Tag, wo die gesamte Familie erwartet wurde, der Teig zu mürbe werden. Er zerfiel absolut anstandslos beim ersten Kontakt mit dem Messer in archäologenfreundliche Stückchen. Mein Vater, ein kluger Verkäufer, bewarb den herrlichen Geschmack der Torte jedoch dermaßen überzeugend, dass alle, wirklich alle Gäste, schließlich ein Häufchen dieses Kuchens probierten. Es hat geschmeckt, ehrlich! Bei einem Dinner in the Dark wäre sicher alles ohne Punkteabzug abgegangen! Da ich aber sicherheitshalber auch ein zweites Dessert vorbereitet hatte, machte der unschöne Anblick aber nicht so viel aus…

Schreibtisch1

Das perfekte Foto – und der weniger perfekte Schreibtisch

So kann es bei einer gestressten Übersetzerin und Autorin zugehen, wenn zwischen zwei Übersetzungen ein leckerer Salat gekocht und fotografiert werden soll und einfach keine Zeit für ein Mittagessen in aller Ruhe bleibt. Mittagspause am Schreibtisch und Bildschirm!