Abschied vom Sommer…

Auf kalten Sohlen nehme ich Abschied vom Sommer. Der Herbst schleicht sich ein: mit kalten Zehen, rinnender Nase und grauen Gedanken, passend, wie so oft, zur Farbe des Himmels. Den nassen Rasen, dessen Unkraut sprießt wie selten zuvor, verdanken wir nicht mehr dem Rasensprenkler, sondern dem unerbittlichen Regen, den Hauch Blau auf unserer Terrasse nicht dem Himmel, sondern dem vormals blauen Fischernetz, das passend zum Strandkorb auf der weißen Terrassenverkleidung für Sommerflair sorgen sollte. Woher hätten wir ahnen können, dass der Regen die Farbe des Netzes auswäscht?

BAL (305)Die Flipflops machen Platz für eines der unnötigsten Kleidungsstücke – Socken – und die Eiskreationen in der Küche weichen sündigen Kreationen aus dem Backrohr; die Shoppingorgien mit Freundinnen beinhalten den Einkauf langärmerliger Kleidungsstücke und Schuhen, die weit mehr als nur ein Riemchen für den braun gebrannten Fuß aufweisen, die Sonnenbrille wird gegen den Regenschirm ausgetauscht, die blonden Sommersträhnchen unterwerfen sich einem schokig-warmen Herbstton, und Heurigenbesuche laufen den Lokalen an der Alten Donau den Rang ab.

Die Kehrseite der tristen Medaille besteht jedoch darin, dass frau 1.) wieder ungeniert ganze Wochenenden vor dem PC verbringen kann, ohne dafür auf Sonnenstrahlen verzichten zu müssen, 2.) wieder ungehemmt Backorgien ausleben kann, 2.) wieder ungehemmt Reiseprospekte nach Hause schleppen kann und 4.) wieder ungehemmt Badeöle kaufen kann, um diese ebenfalls ungehemmt in die Wanne zu gießen, die für die nächsten acht Monate als Planschbecken herhalten muss. Ein kleiner Trost, oder? Und eine gute Legitimation, sich entsprechend auf das menschliche Pendant zum bärigen Winterschlaf vorzubereiten, zu bunkern und zu planen. Make winter your friend – ob das auch bei mir funktionieren kann?


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